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GIS im Netzverbund des Landkreises Wittmund

 

BVD/MD

BVD ist die Abkürzung für Bovine Virus Diarrhoe, also eine Durchfallerkrankheit der Rinder, MD ist die Abkürzung für Mucosal Disease, also eine Schleimhauterkrankung. Es handelt sich also um Abkürzungen von klinischen Symptomen einer Rindererkankung, verursacht durch das gleiche Virus. Es kommt weltweit vor und verursacht eine der wirtschaftlich bedeutendsten Erkrankungen des Rindes. Das Krankheitsbild ist äußerst vielfältig.

Ausgangspunkt der schweren Folgen einer Infektion ist Ansteckung von tragenden Tieren.

Erfolgt die Infektion ca. vor dem 120. Trächtigkeitstag, wird der Fetus im Mutterleib infiziert. Ab dem 120. Tag baut sich das Immunsystem des Fetus auf. Vereinfacht gesagt kommt dann das Signal, dass alles was zu dem Zeitpunkt im Fetus ist, zu diesem dazu gehört und vom Immunsystem nicht bekämpft werden soll. Ist der Fetus zu diesem Zeitpunkt mit dem Virus infiziert, wird das Rind als geborenes Tier lebenslang Virusträger bleiben, weil das Virus nicht als körperfremd erkannt wird. Bei diesen Tieren spricht man vom PI-Tier (persistent [dauerhaft] infiziertes Tier, auch Virämiker genannt). Solche Tiere sind massive Virusausscheider. Haben sie wiederum Kontakt zu niedertragenden Rindern, können sie diese und wiederum den Fetus anstecken und weitere PI-Tiere entststehen. Diese PI-Tiere können dauerhafte Kümmerer sein (kleine Tiere, große Köpfe) und verenden normalerweise spätestens im 3. Lebensjahr. Andere Tiere entwickeln sich völlig normal, erkranken dann aber ganz plötzlich schwer, häufig an starkem Durchfall, kommen zum Festliegen und verenden innerhalb weniger Tage. Dies Verenden erfolgt in der Regel auch spätestens im 3. Lebensjahr, nur sehr selten werden die Tiere älter. Falls ein PI-Tier aber tragend wird, ist der Fetus natürlich auch wieder infiziert.

Erfolgt die Infektion rings um den 120. Trächtigkeitstag kommen oft missgebildete Kälber zur Welt, häufig mit zentralnervösen Störungen. Bei diesen Tieren ist der Virusnachweis häufig nicht mehr möglich. Nach Schädigung des Fetus griff dann die Körperabwehr, der verursachte Schaden war aber irreparabel.

Nach dem 120. Trächtigkeitstag infizierte Rinder bringen teilweise normale Kälber zur Welt mit intaktem Immunsystem, häufig geschehen aber auch Aborte.

Hat ein dauerhaft infiziertes Rind (PI-Tier) Kontakt zu anderen Rindern, z. B. Kälbern mit intaktem Immunsystem, so können diese Kälber kurzfristig infiziert sein. Das Immunsystem wehrt das Virus aber ab und die Tiere sind nach ca. 2 Wochen wieder virusfrei und bilden schützende Antikörper gegen die Erkrankung aus. 

Die Einschleppung in einen Rinderbestand kann auf unterschiedlichen Wegen erfolgen. Häufig erfolgt sie über die Einstellung persistent infizierter Tiere. Auch Infektionen beim Weidegang (Zaunkontakt, ausgebrochene Rinder), auf Ausstellungen und Tiermärkten kommen in Frage. Ein weiteres Risiko stellen mangelhafte hygienische Vorkehrungen dar. Hier kommen als Überträger  kontaminierte Transportfahrzeuge, Geräte, Kleidung und Futtermittel in Frage.

Es gibt bei der BVD-Infektion unterschiedliche Typen. So führte eine Infektion mit dem Typ 2 c in 2013 bei einem Bestand im Landkreis Friesland zu dem Tod von rund 30% des Tierbestandes.

Ab 01.01.2011 ist die bundesweite Bekämpfung der BVD Pflicht (siehe Rechtsvorschriften). In Niedersachsen wurde das Ohrstanzsystem (siehe eigener Punkt links) bereits ab Juni 2010 eingeführt. Eine gewisse Handelserleichterung haben anerkannt BVD-unverdächtige Bestände.

Die Niedersächsische Tierseuchenkasse finanziert hierbei Blutuntersuchungen im Institut, Diagnostika, Spezialohrmarken, Ohrmarkenzange, Servicepaket inklusive Porto und Beihilfen zur Ausmerzung von PI-Tieren.

Im Jahr 2016 erfolgten folgende neue rechtliche Regelungen:
1. Ist in einem Rinderbestand ein BVD infiziertes Tier festgestellt worden, dürfen 40 Tage  lang keine Rinder aus dem Bestand verbracht werden.

Ausnahme: Rinder die direkt zur Schlachtung transportiert werden oder die Tiere stehen unter Impfschutz mit sogenanntem fetalem Schutz. Die Ausnahme gilt also nicht für Bullkälber etc.

2. Zu dem Zeitpunkt tragende Rinder dürfen auch über die 40 Tage hinaus grundsätzlich erst nach dem Abkalben verbracht werden.

Ausnahme: die Tiere standen zum Zeitpunkt der Besamung unter Impfschutz mit fetalem Schutz ODER
wurden nach dem 150. Tag der Trächtigkeit serologisch negativ auf BVD untersucht


    

 

 

 

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