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GIS im Netzverbund des Landkreises Wittmund

 

Paratuberkulose

Allgemeines

Paratuberkulose ist eine infektiöse, chronische Darmentzündung bei Wiederkäuern wie Rind, Schaf, Ziege und auch Wildwiederkäuern wie Reh und Hirsch. Die Krankheit hat nichts mit der menschlichen Tuberkulose oder der Tuberkulose des Rindes zu tun, außer, dass der Erreger auch ein Bakterium mit Namen Mycobacterium ist. Der Erreger der Paratuberkulose, Mycobacterium avium subspecies paratuberculosis (MAP) ist sehr widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse und besitzt eine hohe Überlebensfähigkeit zum Beispiel  in Wasser, Boden und Gülle. Dem Ausbruch der Erkrankung kann eine extrem lange Inkubationszeit von einem bis zu zehn Jahren voraus gehen. Die klinischen Symptome äußern sich in Form von chronischer Abmagerung und Milchrückgang und mit therapieresistentem unstillbaren Durchfall. Bei der Sektion zeigen sich charakteristische Veränderungen der Darmschleimhaut.

Die Ansteckung geschieht zu einem geringen Teil schon in der Gebärmutter, häufiger rings um den Geburtermin durch z. B. Aufnahme von geringen Kotmengen des Muttertieres bei der Geburt, Aufnahme von Kolostrum ("Biestmilch") und sonstiger Milch oder Kot von infizierten Tieren. Je jünger das Rind ist, desto empfänglicher ist es für eine Infektion. Die klinischen Erscheinungen mit unstillbarem Durchfall der tödlichen Erkrankung (eine Heilung ist nicht möglich) treten bei den Tieren dann aber in der Regel erst im Kuhalter auf.

Die Paratuberkuloseinfektion wird seit langem als mögliche Infektionsquelle für die chronisch entzündliche Darmerkrankung Morbus Crohn des Menschen diskutiert. Die Forschungsergebnisse hierzu sind allerdings widersprüchlich und lassen bisher keine sichere Abschätzung eines möglichen Risikos zu. Enthält die Rohmilch viele Paratuberkuloseerreger, werden diese durch die Pasteurisierung in der Molkerei nicht vollständig abgetötet, anders ist es bei der H-Milch.

Was kann die Diagnostik und was kann sie nicht und Konsequenzen bei Erregernachweis

Von der Aufnahme des Erregers bis zur Erkrankung mit unstillbarem Durchfall können bis zu 10 Jahre vergehen. Der Erreger lebt also lange im Körper bis es zu einer massiven Vermehrung in der Darmschleimhaut kommt. Er ist in der Zeit leider aber nicht immer nachweisbar. Die Ausscheidung des Erregers kann wellenartig erfolgen, eine Dauerausscheidung ist vor allem bei Krankheitsbeginn nicht immer vorhanden.

Daher kann man den Erreger mittels Bakterienkultur oder Genomnachweis (PCR) nur nachweisen, wenn auch gerade eine Ausscheidungsphase erfolgt. Diese Methoden sind daher eher sinnvoll, wenn man klinische Erscheinungen mit starkem Durchfall hat. Wurde der Erreger mittels Bakterienkultur oder PCR nachgewiesen, gilt der Bestand offiziell als mit Paratuberkulose infiziert. Bestimmte außereuropäische Exportländer für Rinder verlangen in amtlichen Attesten die Bestätigung, dass der Paratuberkuloseerreger in den letzten 6 Jahren in dem Herkunftsbestand nicht festgestellt wurde.

Ein anderer indirekter Test, die Antikörperuntersuchung, ist unbedeutender bezüglich Exportatteste für Drittländer. Antikörpernachweise können schon vor klinischen Erkrankungen nachgewiesen werden, allerdings hat man nachweisbare Antikörper mittels Blut-oder Milchprobe bei infizierten Tieren in der Regel erst frühestens im Alter von 2 Jahren, obwohl das Tier in der Regel bereits als Kalb infiziert worden ist. Eine Untersuchung jüngerer Tiere macht also derzeit keinen Sinn. Der serologische Test auf Antikörper hat zwar einen hohe Spezifität, aber eine geringe Sensitivität.  Das bedeutet ein positives Testergebnis ist mit fast hundertprozentiger Sicherheit auch wirklich positiv, ein negatives Testergebnis hat aber leider nur eine rund 60%ige Sicherheit. Das Tier kann also mit einer nicht ganz geringen Wahrscheinlichkeit trotz negativem Testergebnis dennoch infiziert sein. Außerdem schwanken die Antikörperhöhen während des Verlaufes sehr. Daher kann es sein, dass ein Tier mal positiv getestet wird, dann negativ und dann wieder positiv. Bei massiver klinischer Erkrankung der Tiere sind dann auch oft wieder keine Antikörper nachzuweisen. Trauen sie also dem positiven Ergebnis, aber nicht immer dem negativem Untersuchungsergebnis. Zweifeln Sie positive Ergebnisse nicht an und berufen sich dabei auf negative Nachuntersuchungen.

Eine gute Möglichkeit, um eine Übersicht zu erhalten, ob ein Bestand ein Paratuberkulosproblem hat, ist die Untersuchung der Sammelmilchprobe auf Paratuberkulose. Hier gilt genauso wie bei den BHV1-Tankmilchproben, dass eine Sammelmilchprobe nur die Milch von maximal 50 Kühen enthalten darf. Bei größeren Kuhherden sind daher entsprechend mehr Proben zu entnehmen. Die Sammelmilchprobe wird hinsichtlich Paratuberkulose nur mit ausreichender Sicherheit positiv, wenn mindestens ca. 20 % der in der Milchprobe beprobten Milchkühe Antikörper gebildet haben. Darunter kann es gut sein, dass die Sammelmilch dann negativ bleibt. Man entdeckt mit der Milchprobe also fast nur Bestände, die einen stärkeren Paratuberkulosebefall haben, keine mit geringem Befall. Das macht aber auch Sinn, weil man sich bei der Paratuberkulosebekämpfung anders als bei anderen Erkrankungen von dem Ziel verabschieden muss, auf null infizierte Tiere zu kommen. Dies wird praktisch kaum möglich sein. 

Strategie des Landes Niedersachsen zur Verringerung der Infektionszahlen

Andere Staaten wie Dänemark, die Niederlande und auch Österreich haben bereits Programme zur Verminderung der Infektion, teilweise bereits seit einigen Jahren. Auf Wunsch der Milchwirtschaft und der Landwirtschaft in Niedersachsen wurde im Jahr 2016 auch in Niedersachsen ein Programm gestartet, was drei verschiedene Bereiche enthält:

  1. Freiwillges Verfahren
  2. Pflichtuntersuchungen mit Beratung
  3. Ausmerzungsbeihilfe für infizierte Rinder bei Unterzeichnung einer Verpflichtungserklärung
Zu Nr. 1: Freiwilliges Verfahren

Rinderhalter können ihre Sammelmilch oder Blut- und Milchproben auf Antikörper gegen Paratuberkulose untersuchen lassen. Es macht Sinn, mit einer Sammelmilchprobe (näheres zur Sammelprobe siehe vorheriges Kapitel) anzufangen. Es können auch die BHV1-Sammelproben hierzu genutzt werden. Auch wenn sie wegen BHV1-Impfung noch keine Sammelmilch auf BHV1 untersuchen lassen können, ist dies sehr wohl auf Paratuberkulose möglich. Ist die Sammelmilchprobe positiv, bedeutet es, dass wahrscheinlich über 20 % der Kühe positiv hinsichtlich Paratuberkulose sind, also mit Paratuberkulose infiziert sind.

Um diese Tiere herauszufinden, ist es wiederum sinnvoll, in die Einzelbeprobung von Tieren zu gehen. Dies ist über Milch- oder Blutproben möglich. Milchproben können von den Leistungsprüfern bei der Milchkontrolle genommen werden. Da es bei der Probengewinnung aber zu Restmilchverschleppungen gekommen sein kann, sind positive Tiere sicherheitshalber mit einer Blutuntersuchung nachzubeproben. Sie können aber auch gleich mit Einzelblutproben den Bestand (Zuchtrinder ab 24 Monate) untersuchen. Der Beginn mit einer Sammelmilchprobe ist nicht fest vorgegeben. Sie können gleich mit der Einzeltieruntersuchung über Blut oder Milch beginnen. Bei Blut macht es wiederum Sinn, die evtl. sowieso vorhandenen Blutproben der BHV1-Jahresuntersuchung gleichzeitig auch auf Paratuberkulose untersuchen zu lassen. Sind positive Ergebnisse, also mit Paratuberkulose infizierte Rinder im Bestand vorhanden, ist die Beratung durch den Haustierarzt notwendig mit Erstellung eines Maßnahmenplanes. Hierzu mehr in einem späteren Kapitel.

Die Nds. Tierseuchenkasse finanziert die Untersuchung von den Proben im Labor, die Probenahme von Sammelmilch und Einzelmilchproben durch den Milchkontrollverband sowie eine Beihilfe für die Blutprobenahme durch den Haustierarzt mit 4.- Euro pro Tier, mindestens 50.-Euro pro Bestand bei wenigen Proben.

Eine Paratuberkulosebekämpfung fußt auf zwei Säulen: Der Ausmerzung positiver Tiere, aber auch der Durchführung sogenannter Biosicherheitsmaßnahmen. Ohne die hat eine Bekämpfung keinen Erfolg. Hierzu mehr in dem Kapitel weiter unten. Diese Biosicherheitsmaßnahmen müssen eng zwischen Tierhalter und Haustierarzt abgestimmt werden. Daher zahlt die Nds. Tierseuchenkasse Beihilfen für eine Beratung bei Nachweis von positiven Einzeltieren durch den Haustierarzt in Höhe von 100.- Euro pro Stunde (maximal 3 Stunden) für die Erstberatung und 75.- Euro für die Erstellung eines Maßnahmenplanes.

Um die Wirksamkeit des Maßnahmenplanes zu überprüfen und diesen zu aktualisieren sind jährliche Folgeberatungen und Aktualisierungen des Maßnahmenplanes notwendig. Diese werden von der Nds. Tierseuchenkasse mit einer Beihilfe von 100.- Euro pro Stunde bei maximal 1,5 Stunden und 37,50 Euro für die Aktualisierung des Planes an Beihilfe für die Tierarztkosten vergütet.

Auf dieser Stufe ist das ganze Verfahren freiwillig, der Tierhalter kann das Verfahren an jeder Stelle stoppen. Es besteht also keine Verpflichtung nach einer positiven Sammelmilch Einzelproben zu nehmen oder die Beratung in Anspruch zu nehmen. Aber eigentlich macht nur alles zusammen Sinn.

Zu Nr. 2: Pflichtuntersuchung mit Beratung
Für das Frühjahr 2017 ist eine Paratuberkuloseverordnung des Landes Niedersachsen geplant. Sie soll folgende Inhalte haben (derzeit noch Entwurf):
  1. Untersuchungspflicht für alle Rinderbestände mit Rindern über 24 Monate a) Milchviehbestände zweimal pro Jahr über Sammelmilchprobe, bei positiver Sammelmilch: Einzeltieruntersuchung                                     b) Sonstige Bestände einmal im Jahr über Einzelmilchprobe oder Blutprobe
  2. Verbringen von Rindern über 24 Monate in einen Niedersächsischen Bestand nur nach vorheriger negativer Untersuchung auf Paratuberkulose (Einzeltieruntersuchung)
  3. Beratung durch den Haustierarzt bei positiven Einzeltierergebnissen
Weitere Verpflichtungen bestehen für den Tierhalter dann nicht.

Zu Nr. 3: Ausmerzungsbeihilfe
Möchte der Tierhalter Beihilfen für die Ausmerzung positver Tiere erhalten (Teilnahme ist freiwillig), muss er folgendes erfüllen:
Er muss sich für mindestens fünf Jahre verpflichten alle Maßnahmen einzuhalten, die da sind:
  1. Regelmäßige Bestandsuntersuchung wie unter Nr. 2 genannt
  2. Ausmerzung positiver Tiere spätestens 18 Monate nach Feststellung des Ergebnisses.
  3. Positive Tiere sind mit roten Ohrmarken zu kennzeichnen
  4. Positive Tiere dürfen nicht mehr belegt werden
  5. Es sind jährlich Beratungen durch den Haustierarzt durchzuführen und Maßnahmenpläne zu erstellen, zu aktualisieren und einzuhalten.
Die Ausmerzungsbeihilfe wird nur für Rinder gewährt, die mittels Schlachtung ausgemerzt wurden. Dabei dürfen die Tiere nicht im letzten Drittel der Trächtigkeit geschlachtet worden sein. Die Beihilfehöhe ist die Differenz zwischen Gemeinem Wert des Tieres zum Zeitpunkt der Schlachtung und Schlachterlös.

Die Ausmerzungsbeihilfe kann sowohl beim freiwiliigen Verfahren als auch bei dem evtl. im Frühjahr kommenden Pflichtverfahren in Anspruch genommen werden.

Beratungsgespräche, Maßnahmenpläne und Biosicherheit

Ohne Einhaltung bestimmter Managementmaßnahmen ist eine Reduzierung der Paratuberkuloseinfektionen im Bestand nicht möglich. Es gilt soweit wie möglich die Übertragung von infizierten älteren Tieren auf Neugeborene, sonstige Kälber und Jungvieh zu vermeiden. Wie vorstehend erwähnt: je jünger die Tiere sind, desto leichter stecken sie sich an. Zu diesen sogenannten Biosicherheitsmaßnahmen gehören:

  • Möglichst jegliche Vermeidung des Kontaktes von Kot des infizierten Muttertieres mit dem Neugeborenen durch absolute Geburtshygiene, sofortige Trennung des Kalbes vom infizierten Muttertier etc
  • Da der Paratuberkuloseerreger auch über das Kolostrum und die Milch vom infizierten Muttertier auf das Kalb übertragen werden kann, ist das neugeborene Kalb mit Kolostrum und Milch von negativ untersuchten Tieren zu füttern, hierzu Bedarf es einer "Kolostrumbank".
  • Da der Kot infizierter Tieren große Mengen des Erregers beinhalten und der Erreger viele Monate in der Außenwelt überleben kann, dürfen die Kälberweiden nicht mit Gülle von infizierten Kuhherden gedüngt werden.

In dem Leitfaden für Biosicherheit in rinderhaltenden Betrieben (klick hier, um zur separaten Seite zum Thema Biosicherheit mit Link zum Leitfaden zu kommen) gibt es als Anlage 1 eine umfangreiche Ausarbeitung, die sich nur mit Maßnahmen zur Paratuberkulose beschäftigt. Diese Anlage ist auch Grundlage für die Erstellung des Maßnahmenplanes in infizierten Beständen.

Außerdem gibt es noch vom Bund besondere Empfehlungen zur Paratuberkulose in einer Bekanntmachung von Hygieneempfehlungen in Wiederkäuerbetrieben. Auch diese finden Sie auf der separaten Seite zu Biosicherheitsmaßnahmen.

Nochmal zum Schluss zur Klarstellung:

Bei der Paratuberkulosebekämpfung geht es immer nur um eine Senkung der Infektionsrate. Anders als bei anderen Erkrankungen wäre das Ziel der Senkung der Infektionsrate auf null unrealistisch. Es dauert auch wegen der extrem langen Zeit von der Ansteckung bis zur Erkrankung viele Jahre bis Jahrzehnte, bis die Erfolge sichtbar werden.

    

 

 

 

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